Der Turm
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Der Turm |
| Autor(en): | Uwe Tellkamp |
| Originaltitel: | Der Turm |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2008 |
| Schlagwörter: | Dresden, Bildungsbürgertum, DDR, Wende |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp
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| Umfang dieser Ausgabe: | 976 Seiten |
| ISBN: | 9783518461600 |
| Verweise | |
Der Turm ist der 2008 bei Suhrkamp erschienene Roman von Uwe Tellkamp, untertitelt als Geschichte aus einem versunkenen Land. Er spielt in Dresden zwischen Dezember 1982 und dem 9. November 1989, vor allem im Villenviertel Loschwitz-Weißer Hirsch, im Buch die Turmstraße. Drei verwandte Stimmen tragen das Mosaik: der Schüler und späterer Soldat Christian Hoffmann, der Vater Richard, Oberarzt, und der Onkel Meno Rohde, Lektor. Tellkamp, Arzt und Bachmann-Preisträger, hat Bildungsbürgertum, Mangel, Armee und Zensur auf fast tausend Seiten montiert. Der Deutsche Buchpreis, der Uwe-Johnson-Preis und der Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung haben das Buch rasch zum Wenderoman gemacht, der keiner sein wollte, weil er sieben Jahre vorher ansetzt.
Inhalt
Christian, siebzehn, will Arzt werden, braucht ein makelloses Abitur und verlängert den Wehrdienst auf drei Jahre, um den Studienplatz zu sichern. Distanz zum Staat und Angst aufzufallen halten sich die Waage; Dummheiten durchkreuzen beides. Im Wehrkundelager findet man bei ihm einen Roman aus der NS-Zeit; bei der NVA bringt ihn die Rede nach dem Unfalltod eines Kameraden ins Militärgefängnis Schwedt, in Zwangsarbeit und zwei Jahre dran. Aus dem Muttersöhnchen wird Nemo, niemand. Am 3. Oktober 1989 soll er gegen eine Demonstration vorgehen, auf der die Mutter verprügelt wird; er verweigert, bleibt beim Innendienst. Richard feiert den fünfzigsten mit Mangelwaren als Geschenk. Eine alte Denunziation des Freundes Manfred Weniger bei der Staatssicherheit und Affären – unter anderem mit Christians Freundin Reina – machen ihn erpressbar. Staatsorgane zerstören seinen Oldtimer, weil er eine Flucht nicht gemeldet hat; er bricht psychisch zusammen. Die Frau Anne, in der Opposition, vergibt und verteidigt ihn; im Oktober geht er zu den Protestierenden.
Meno, Sohn von Kommunisten aus Moskauer Schulung, Biologe ohne Wissenschaftskarriere wegen der Kirche, lektoriert, zensiert und steht den Autoren näher als der Behörde. Er erkennt, dass die Nische nicht rettet, und bekennt doch keine Farbe; am 3. Oktober wird auch der Beobachter geschlagen. In kursiv gesetzten Tagebüchern spricht er poetisch vom Turm, von der süßen Krankheit Gestern, vom Stillstand wie einer Schallplatte mit Sprung. Tellkamp reiht Episoden aneinander: Klinik, Schule, Papierproduktion, Leipziger Messe, nächtliche Proust-Lektüre als Strafarbeit in der Armee, sächsischer Dialekt, Parteijargon, Kunigundenwörter der Turmbewohner. Hunderte Figuren, manche Schlüssel auf lebende Schriftsteller und Funktionäre. Die zweite Hälfte rückt Versorgung, Verkehr, Gesundheitswesen und die NVA in den Vordergrund, unterbrochen von märchenhaften Schüben, als sei Dresden Atlantis.
Der 9. November steht als fälliger Tag am Horizont, ohne dass der Roman ihn als Erlösung feiert. Das Bürgertum auf den Elbhängen atmet Wagner, E. T. A. Hoffmann und den Rosenkavalier und muss trotzdem einkaufen. Christian lernt, unsichtbar zu werden; Richard lernt, dass Privilegien nicht schützen; Meno lernt, dass Zusehen Prügel nicht verhindert. Tellkamp mischt personale Nähe, erlebte Rede, Leerzeilen statt Richards Antworten an die Stasi und Sätze, die eine Seite brauchen. Der Turm ist Viertel, Elfenbeinturm, babylonische Sprachverwirrung und das Verb türmen: hinein in die innere Emigration, die nicht gelingt.
Einordnung
Tellkamp hat den Bildungsroman der Wilhelm Meisters Lehrjahre – pädagogische Provinz, Turmgesellschaft – auf die späte DDR gelegt und mit Thomas Manns Buddenbrooks den Vergleich auf sich gezogen, den der Text umkehrt: Nicht die Familie geht in aufsteigender Umwelt unter, die Umwelt zerfällt um die Familie. Vorbilder sind Hoffmanns Dresdner Märchen, der Zauberberg, Prousts Zeit, Grass’ weites Feld, dem Tellkamp widerspricht: Die DDR sei keine bequeme Diktatur gewesen. Rezensenten entschlüsselten Figuren; Tellkamp sagte, jede sei zusammengesetzt. Vorwürfe des Abschreibens aus Dresdner Antiquariatsprosa hat er mit dem Hinweis auf gemeinsame Wirklichkeit pariert.
Neben In Zeiten des abnehmenden Lichts und Kruso steht Der Turm als der wuchtigste Versuch, ein Milieu zu retten, indem man es kritisiert. Die geplante Fortsetzung über die Wendejahre hat sich verzögert und umbenannt; dieses Buch reicht bis zur Maueröffnung und braucht den Nachfolgeband nicht, um zu gelten. Tellkamp hat das Versunkene geliebt und trotzdem die Prügel und die Mangelwirtschaft nicht ausgelassen. Wer nach 2008 über Dresden, das Bürgertum und das Ende der Republik sprach, sprach hinter diesen tausend Seiten, auch dann, wenn er den Ton für zu sehr in Liebe zum Gestern gefangen hielt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
