Kindersprache, Aphasie und allgemeine Lautgesetze

Roman Jakobson · 1941 · Sachbuch, Sprachwissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Kindersprache, Aphasie und allgemeine Lautgesetze
Autor(en): Roman Jakobson
Originaltitel: Kindersprache, Aphasie und allgemeine Lautgesetze
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1941
Schlagwörter: Phonologie, Kind, Aphasie, Laut
Sachgebiete: Sachbuch, Sprachwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: stw
Umfang dieser Ausgabe: 112 Seiten
ISBN: 9783518276723
Verweise


Kindersprache, Aphasie und allgemeine Lautgesetze ist die 1941 in Uppsala erschienene Abhandlung von Roman Jakobson, geschrieben im Exil, in der die Prager Phonologie an Erwerb und Verlust der Laute erprobt wird. Kinder erwerben Oppositionen in einer Folge; Aphasie baut sie in der umgekehrten Folge ab. Das Buch ist Jakobsons Prager Ernstfall: nicht die poetische Funktion, sondern das Lautsystem als Gesetz. Die Linguistik und Poetik steht daneben als der andere Jakobson.

Inhalt

Jakobson behauptet eine Ordnung der phonologischen Oppositionen, die nicht beliebig ist. Was in den Sprachen der Welt selten ist, kommt im Kind spät; was grundlegend ist, zuerst. Vokale gegen Konsonanten, mundoffene gegen mundenge Laute, die groben Unterscheidungen vor den feinen: das Kind baut ein System, indem es Gegensätze setzt, nicht indem es Laute sammelt. Die Aphasie spiegelt das. Zuerst gehen die späten, markierten Unterscheidungen verloren, zuletzt die frühen, unmarkierten; der Abbau kehrt den Aufbau um. Phonologie wird damit entwicklungsfähig und klinisch prüfbar, nicht nur strukturell stillgestellt. Nikolaj S. Trubetzkoy hatte in den Grundzügen der Phonologie das System der Sprache als Netz von Oppositionen beschrieben; Jakobson gibt ihm eine Zeit des Werdens und Vergehens. Ferdinand de Saussure hatte in den Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft die Sprache als System von Differenzen gesetzt; dieses Buch setzt das System als Erwerb.

Das schmale Buch ist hart und beispielreich, geschrieben in einer Mischung aus Deutsch und der Lage der Emigration, nach der Flucht aus Prag, bevor New York und Harvard den Namen weltläufig machten. Es hat die Kindersprachforschung, die Aphasiologie und die später so genannte Lehre von der Markiertheit geprägt, oft ohne den Prager Namen: Hierarchien der Laute, Implikationen (wer den feinen Gegensatz hat, hat den groben), die Vermutung, dass Lautsysteme nicht nur Inventare sind. Die Kritik hat die Strenge der Umkehrung, die Datenlage und die Universalisierung genannt. Nicht jedes Kind folgt derselben Folge, nicht jede Aphasie spiegelt den Erwerb wie ein Film, den man rückwärts laufen lässt, und nicht jede Sprache bestätigt dieselben Seltenheiten als dieselben Gesetze. Jakobson hält dagegen, dass ohne Hierarchie das Phonem ein Haufen bleibt und dass Kind und Kranker Zeugen des Systems sind, die der erwachsene Normalfall verdeckt.

Die Linguistik und Poetik hat denselben Mann als Theoretiker der sechs Funktionen und der poetischen Dominanz bekannt gemacht; hier überlebt die Prager Schule als Phonologie auf der Flucht, präziser als jedes Manifest. Jakobson verbindet Erwerb, Pathologie und Typologie zu einem Argument: Lautgesetze sind allgemein, weil sie in der Zeit des Sprechers und in der Verteilung der Sprachen dieselbe Ordnung zeigen. Die Grenzen liegen in der Härte dieser Gleichung. Spätere Phonologie hat Markiertheit behalten und die Umkehrung gelockert; die klinische Linguistik hat Aphasie differenzierter beschrieben, als es 1941 möglich war. Geblieben ist der Verdacht, dass Laute nicht gleichberechtigt nebeneinanderstehen, sondern sich voraussetzen – und die Probe an Kind und Aphasie, ohne die Prag eine Lehre von Systemen ohne Biographie geblieben wäre.

Einordnung

Jakobson hat Trubetzkoys Grundzüge in die Biographie des Sprechers übersetzt. Die Prager Schule bekommt das Kind und den Kranken als Zeugen des Systems; Saussure bekommt die Zeit, die dem System in den Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft fehlt. Neben der Linguistik und Poetik steht diese Abhandlung als der Text, der Phonologie nicht nur als Inventar und nicht nur als Dichtungstheorie lesbar macht. Die Kindersprachforschung und die Aphasiologie nach 1941 arbeiten mit und gegen die Umkehrung; die Lehre von der Markiertheit hat den Namen oft gewechselt und die Hierarchie behalten. Uppsala 1941 ist Phonologie im Exil, und gerade deshalb Weltmethode geworden.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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