Lebensansichten des Katers Murr

E. T. A. Hoffmann · 1819 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Lebensansichten des Katers Murr
Autor(en): E. T. A. Hoffmann
Originaltitel: Lebens-Ansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1819
Schlagwörter: Kater, Künstler, Bildung, Ironie
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 517 Seiten
ISBN: 9783150001530
Verweise


Lebensansichten des Katers Murr ist der Roman von E. T. A. Hoffmann, 1819 und 1821 in zwei Bänden erschienen, unvollendet geblieben. Ein gebildeter Kater schreibt seine Autobiographie auf die Rückseiten einer zerrissenen Künstlerbiographie; der Setzer druckt beides. Nach dem Sandmann ist dies Hoffmanns größtes Prosastück: Philisterglück und Genie als Makulatur füreinander.

Inhalt

Murr erzählt, wie man sich zum großen Kater bilde: Jugendfreundschaft mit dem Pudel Ponto, Liebe zur Kätzin Miesmies, Saufgelage, Duell, die höhere Kultur der Hunde, autodidaktische Gelehrsamkeit. Der Ton ist satt, eitel, umständlich – eine Parodie auf den Bildungsroman, der aus Erlebnissen Charakterfett macht. Murr zitiert Verse und denkt an Heringstöpfe im selben Atem. Der fiktive Herausgeber versichert, den Kater persönlich gekannt zu haben.

Dazwischen, angeblich versehentlich, die Fetzen der Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler. Kreisler dient am Hof eines Duodezfürsten, gerät zwischen zwei Frauen, die Liebe und Leidenschaft auseinanderziehen, und hält sich mit Ironie in einer Welt, die Musik nur als Unterhaltung will. Sein Leben ist lückenhaft, zeitlich verdreht, länger als Murrs Anteil und undurchsichtiger. Wo der Kater Kontinuität fälscht, bleibt der Musiker Fragment. Hoffmann hatte die Figur schon in den Kreisleriana; hier wird sie zum Gegenprinzip der behäbigen Bildung.

Die beiden Stränge berühren sich in Personen und Orten, ohne sich zur Lösung zu schließen. Ein dritter Band war geplant; Murr starb Hoffmann 1821 wirklich, und der Roman blieb ein Torso. Die Herausgeberfiktion ist absurder Witz, nicht plausible Maske: ein Tier als Autor, der Herausgeber in derselben Welt. Wer den Wilhelm Meister als Anreicherung des Ichs gelesen hat, findet hier die Gegenrechnung. Bildung als Feistigkeit, Kunst als Zerrissenheit, beides in einem Buch, das sich als Versehen ausgibt.

Einordnung

Hoffmann hat den humoristischen Roman der Romantik an den Künstler und an den Spießer zugleich gehängt. Murr ist Satire auf den Betrieb, Kreisler Ironie gegen den Hof; zusammen sind sie eine Gesellschaft, die das Genie nicht braucht und den Kater belohnt. Freud hat den Sandmann genommen; Schumann hat Kreisler in Klavierstücke verwandelt. Der Roman ist kälter und komischer als beide Rezeptionen. Reclam hält die gelbe Schulausgabe; der Text braucht die Schule nicht, um zu zeigen, dass Autobiographie eine Hybris sein kann. Neben den Elixieren des Teufels bleibt der Kater Murr Hoffmanns Hauptroman: nicht Spuk, Verfahren.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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