Theorie des Bildakts
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Theorie des Bildakts |
| Autor(en): | Horst Bredekamp
|
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2010 |
| Schlagwörter: | Bildakt, Zeigen, Körper, Kraft |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Kunstgeschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 463 Seiten |
| ISBN: | 9783518585160 |
| Verweise | |
Theorie des Bildakts ist die 2010 erschienene Untersuchung von Horst Bredekamp. Sie behauptet: Bilder handeln. Sie warten nicht darauf, gelesen zu werden, und sie sind nicht harmlos, solange niemand sie deutet.
Inhalt
Bredekamp stellt den Bildakt neben den Sprechakt John L. Austins. Was die Sprache tut, wenn sie verspricht, tauft, droht oder erklärt, tut das Bild, wenn es zeigt, ersetzt, einschüchtert oder einen Körper an die Stelle eines anderen setzt. Der Leib des Betrachters ist beteiligt: Schrecken, Berührung, die schematische Waffe, die trifft, ohne Fleisch zu sein. Gegen die Semiotik, die Zeichen entziffert und Bedeutung hinter der Fläche sucht, setzt Bredekamp die Kraft, die vom Bild ausgeht, bevor sie in Sätzen aufgeht. Ein Bild, das droht, braucht keine Legende, um zu drohen; ein Bild, das vertritt, braucht keinen Kommentar, um den Abwesenden in den Raum zu stellen. Die Theorie ist deshalb keine Ikonologie mit anderem Namen. Sie ist der Versuch, dem Sichtbaren eine eigene Tathaftigkeit zu geben, ohne es zu beseelen wie einen Geist. Der Vorwurf des Animismus, den die Kritik erhoben hat, trifft die Zumutung und verfehlt die Distanz, die Bredekamp zum bloßen Glauben an lebende Bilder hält.
Das Buch kommt aus den Berliner Vorlesungen und bleibt reich an Beispielen, von der Antike bis zur Gegenwart. Thomas Hobbes’ Leviathan, die wissenschaftliche Zeichnung, der digitale Avatar als stellvertretende Figur auf dem Schirm: derselbe Ernst, andere Medien. Hans Belting hatte das Kultbild als handelndes Ding erzählt; hier wird der Akt systematisch, in Formen des Zeigens, des Ersetzens, der schemata, die den Körper treffen. Bredekamp schreibt entschieden, gegen die Vorstellung, Bilder seien unschuldig, solange man sie nur betrachtet. Die Kunstgeschichte liefert den Widerstand des Sichtbaren, den die Sprechakttheorie nicht kennt: Fläche, Volumen, Ähnlichkeit, die hartnäckige Gegenwart eines Dings. Genau dieser Widerstand soll verhindern, dass der Bildakt zur bloßen Metapher für Bedeutung wird. Der Ton ist der einer Vorlesung, die Fälle häuft, bis die These nicht mehr als Spekulation dasteht.
Gegen die ältere Deutung, das Bild sei Träger eines Sinns, den der Gelehrte liest, hält Bredekamp das Handeln fest. Kritik hat das zu animistisch und zu weit genannt: Nicht jedes Zeigen sei ein Akt, und die Waffe im Bild treffe nicht wie die Waffe in der Hand. Das Buch besteht auf der Zumutung, weil die Gegenposition – Bilder als harmlose Zeichen – historisch und politisch unhaltbar sei. Es steht neben Belting und Gottfried Boehm als dritte Adresse der deutschsprachigen Bildwissenschaft, näher an der Tat als an Kult und Differenz. Die Sprechakttheorie liefert das Modell; die Werke liefern den Einspruch, dass Sichtbares nicht in der Äußerung aufgeht. Nach 2010 muss, wer über das spricht, was Bilder tun, zu diesem Band etwas sagen, auch wo er die Kraft für überschätzt hält. Die Systematik ist das Angebot und die Angriffsfläche.
Einordnung
2010 ist der Band zur Systematik der deutschsprachigen Bildaktforschung geworden, weil er Beltings handelndes Kultbild und Boehms Macht des Zeigens in eine Lehre von der Tat überführt. Austin liefert das sprachphilosophische Modell; die Kunstgeschichte liefert den Widerstand der Fläche, den keine Äußerung ersetzt. Die Kritik am Animismus hat das Buch nicht entkräftet, aber die Grenze markiert, an der Kraft in Magie umkippen kann, und die Forschung arbeitet seither an dieser Grenze. Seminare und die politische Ikonographie der Hamburger Schule, der Bredekamp entstammt, greifen den Bildakt auf, wo Bilder als Waffen, als Stellvertreter und als wissenschaftliche Instrumente ernst genommen werden. W. J. T. Mitchells Frage, was Bilder wollen, ist der amerikanische Nachbar; Bredekamp antwortet mit dem Akt, nicht mit dem Begehren. Die Nachwirkung liegt in der Erlaubnis, Bilder als Täter zu beschreiben, ohne die Deutung aufzugeben, und in der Pflicht, diese Beschreibung an Fällen zu prüfen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
