Der Aufmacher
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Der Aufmacher |
| Autor(en): | Günter Wallraff
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1977 |
| Schlagwörter: | Boulevardpresse, Recherche, Bild-Zeitung, Enthüllung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Zeitdiagnose |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Kiepenheuer & Witsch
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| Umfang dieser Ausgabe: | 336 Seiten |
| ISBN: | 9783462003215 |
| Verweise | |
Der Aufmacher. Der Mann, der bei „Bild“ Hans Esser war ist der 1977 bei Kiepenheuer & Witsch erschienene Bericht von Günter Wallraff über dreieinhalb Monate als Redakteur der Bild-Zeitung in Hannover. Unter dem Namen Hans Esser sieht er, wie die größte deutsche Boulevardzeitung Nachrichten nicht findet, sondern zuschneidet: Überschrift zuerst, Mensch danach. Das Buch wurde ein Verkaufserfolg, zog Rügen des Deutschen Presserats und eine Reihe von Klagen des Axel-Springer-Verlags nach sich und gilt seither als der Text, an dem sich die Rede über Boulevardpresse in der Bundesrepublik messen lässt.
Inhalt
Wallraff bewirbt sich als Hans Esser, ein mittelmäßiger Provinzjournalist mit gefälschtem Lebenslauf, und wird genommen, weil die Lokalredaktion Leute braucht, die liefern. Was er vorfindet, ist keine Verschwörung einzelner Schurken, sondern ein Alltag, in dem Tempo, Auflage und der Ton der Zentrale in Hamburg die Wahrheit ersetzen. Eine Geschichte beginnt oft mit der Überschrift, dem Aufmacher, der schon feststeht, bevor jemand nachgefragt hat; die Recherche hat dann die Pflicht, den Satz zu füttern, nicht ihn zu prüfen. Zitate werden glattgezogen oder erfunden, Randfiguren zu Typen gemacht, Unglück in Moral verwandelt. Wer widerspricht, gilt als Spielverderber. Wallraff schreibt das nicht als Medienkunde, sondern als Protokoll: Konferenzen, Anrufe, der Druck, abends etwas zu haben, das morgen auf der ersten Seite steht.
Die Opfer dieser Technik sind keine abstrakte Öffentlichkeit, sondern namentliche Leute aus Hannover: Angeklagte, Trauernde, Nachbarn, die über Nacht zur Ware einer Schlagzeile werden. Eine Meldung über Selbstmord, Kriminalität oder Ausländer folgt demselben Muster – Zuspitzung, Feindbild, die kleine Sensation, die den Leser bindet, ohne ihn zu unterrichten. Gegen die Behauptung, Boulevardpresse sei nur derbe Volksnähe, hält Wallraff die Kälte der Herstellung: Hier wird nicht übertrieben, was wahr ist; hier wird wahr gemacht, was sich verkauft. Die Redaktion weiß das und spricht es intern deutlicher aus als nach außen. Genau diese Innensicht ist der Kern des Buches. Wallraff bleibt der Eindringling, der mitnotiert, und er weiß, dass die Täuschung der Kollegen der Preis der Enthüllung ist.
Der Verlag klagte, Passagen mussten geschwärzt oder umgeschrieben werden, der Presserat rügte die Bild-Zeitung mehrfach und tadelte zugleich Wallraffs verdeckte Recherche als unzulässig. Das Buch ist deshalb selbst ein Streitfall der Methode: Darf man lügen, um Lüge zu beweisen. Wallraff antwortet mit dem Ergebnis. Spätere Auflagen erschienen verstümmelt, seit 2012 wieder ungekürzt. Hermann L. Gremliza hat später behauptet, Teile des Textes stammten von ihm; der Streit ändert nichts daran, dass der Band die Bild-Zeitung als System beschrieben hat, nicht als Ausrutscher eines Standorts. Wer nur die Anekdoten der Redaktionskonferenz will, unterschlägt die Verletzten. Wer nur den Skandal um den verdeckten Mann will, unterschlägt, was Hans Esser jeden Tag zu schreiben hatte.
Einordnung
1977 hat Der Aufmacher der Bundesrepublik ein Bild ihrer lautesten Zeitung gegeben, das sich nicht mehr als Übertreibung abtun ließ, und die verdeckte Recherche als Waffe der Reportage durchgesetzt, noch bevor das Wort zum Markenzeichen wurde. Neben den Bottroper Protokollen, die Arbeiter sprechen ließen, ohne sich zu verkleiden, steht Wallraff als der Autor, der die Institution von innen demaskiert, indem er in sie eintritt; acht Jahre später hat Ganz unten dieselbe Technik vom Verlagswesen auf die Fabrik verschoben. Die Springer-Prozesse haben den Text verkürzt und ihn zugleich berühmt gemacht: Was geschwärzt war, las man als Beweis. Kritik an der Täuschung der Kollegen und an der Nähe zur Kampagne trifft den Band, ohne die Diagnose zu entkräften, dass eine Zeitung Menschen verbrauchen kann, um den Aufmacher zu füllen. Die Nachwirkung liegt in der öffentlichen Skepsis gegen die Boulevardpresse und in einer Schule des Hineingehens, der später auch Barbara Ehrenreichs Arbeit poor zugerechnet wird, näher am Lohn als an der Schlagzeile.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
