Functional Linguistics

Vilém Mathesius · 1975 · Sachbuch, Sprachwissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Functional Linguistics
Autor(en): Vilém Mathesius


Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1975
Schlagwörter: Thema, Rhema, Satzperspektive, Prag
Sachgebiete: Sachbuch, Sprachwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Academia


Umfang dieser Ausgabe: 280 Seiten
ISBN: 9788020000000
Verweise


Functional Linguistics steht in dieser Ausgabe für die nachgelassene englische Analyse des Gegenwartsenglischen, die 1975 im Prager Verlag Academia erschien, herausgegeben von Josef Vachek, übersetzt von Libuše Dušková, wissenschaftlich betreut von Jan Firbas. Der tschechische Text von 1961, Obsahový rozbor současné angličtiny, wird hier zur internationalen Probe der Prager Schule am Satz. Vilém Mathesius, 1926 Mitgründer des Prager Linguistenkreises, schreibt Sprache als Mitteilung in Situationen, nicht nur als System von Oppositionen. Dieselbe Analyse liegt deutsch als Die funktionale Linguistik vor.

Inhalt

Mathesius gliedert den Satz nicht zuerst nach Subjekt und Prädikat der Schulgrammatik, sondern nach dem, was für den Sprecher gegeben ist und dem, was er daran neu macht. Thema ist der Ausgang, Rhema die Aussage; die funktionale Satzperspektive – aktuální členění věty – ist die Ordnung dieser Mitteilung. Das Englische dient als Material einer allgemeinen Lehre, gerade weil seine Wortfolge grammatisch fester ist als die tschechische: Was das Tschechische durch Stellung markiert, muss das Englische oft durch Intonation, Artikel und Konstruktion leisten. Mathesius vergleicht, statt eine Universalsyntax zu behaupten. Funktion heißt hier Leistung im Sprechen: Benennen und In-Beziehung-Setzen, zwei Schritte, aus denen die Äußerung entsteht. Gegen Ferdinand de Saussures Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft, soweit sie die Sprache als Zustand des Systems isolieren, setzt er die Perspektive dessen, der etwas mitteilen will. Gegen eine spätere Grammatik, die Wohlgeformtheit ohne Hörer denkt, ist der Satz schon bei ihm Antwort auf eine Lage.

Das Buch ist Fragment geblieben und nach dem Tod geordnet. Mathesius, seit den zwanziger Jahren krank und seit 1932 erblindet, hat den Kreis organisiert, ohne immer im Saal zu sein; die Thesen von 1929 tragen seine Hand, die große Syntax nicht mehr seine letzte Fassung. Vachek und Firbas haben aus Vorlesung, Manuskript und älterer Abhandlung ein lesbares Werk gemacht, das die Prager Tradition der Satzperspektive für ein englischsprachiges Publikum festhält. Daneš und Firbas haben den Ansatz später zur kommunikativen Dynamik ausgebaut: nicht jedes Element trägt gleich viel Neue, die Spannung wandert durch den Satz. Die Kritik hat die Verspätung der Ausgabe, die Datenlage und die Gefahr genannt, Thema und Rhema zu psychologisieren, als wären sie Gedanken vor der Sprache. Geblieben ist der Blick, der den Satz als gegliederte Mitteilung nimmt, nicht als Kette von Formen.

Mathesius schrieb lehrender als Nikolaj S. Trubetzkoy und weniger laut als Roman Jakobson. Der Kreis hat in ihm den Anglisten und den Vorsitz, nicht den Propheten der Phonologie. Wer Prag nur als russische Emigration kennt, unterschlägt den tschechischen Gründer, der 1911 schon über die Potentialität sprachlicher Erscheinungen gehandelt hatte: Sprache als Möglichkeit, die der Sprecher je anders realisiert, nicht als starres Inventar. Die deutsche Niemeyer-Ausgabe und die Prager Academia-Ausgabe sind zwei Wege desselben nachgelassenen Lehrbuchs. Keine von beiden macht aus Aufsätzen ein Manifest. Beide halten fest, was Mathesius am Englischen erproben wollte, bevor die Universitäten 1939 schlossen und er 1945 in Prag starb, kurz nach der Befreiung.

Einordnung

Mathesius hat der Prager Schule die Syntax und die Organisation gegeben, während Trubetzkoys Grundzüge der Phonologie das Phonem und Jakobson die Universalien der Lautgestalt in die Welt trugen. Vacheks The Linguistic School of Prague hat diese Arbeit nach 1945 auf Englisch kanonisiert. Die spätere funktionale Linguistik – Halliday eingeschlossen, oft ohne den tschechischen Umweg zu nennen – führt den Satz als Mitteilung auf diese Analyse zurück. Neben Saussures System steht hier der Sprecher, der etwas sagt, weil jemand zuhören soll. Wer nach Prag über Thema und Rhema spricht, spricht hinter diesem nachgelassenen Band, auch wo er Firbas oder die Textlinguistik zitiert.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

Sprachwissenschaft entdecken