Hamburgische Dramaturgie

Gotthold Ephraim Lessing · 1767 · Sachbuch, Literaturwissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Hamburgische Dramaturgie
Autor(en): Gotthold Ephraim Lessing


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1767
Schlagwörter: Theater, Aristoteles, Bürgerlichkeit, Kritik
Sachgebiete: Sachbuch, Literaturwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam
Serie: Reclams Universal-Bibliothek
Umfang dieser Ausgabe: 535 Seiten
ISBN: 9783150007785
Verweise


Die Hamburgische Dramaturgie ist die 1767 bis 1769 in Stücken erschienene Theaterkritik von Gotthold Ephraim Lessing für die Hamburger Entreprise, das gescheiterte Nationaltheater. Aus Rezensionen des Spielplans wird die Poetik, mit der das deutsche Drama sich von der französischen Regel und vom höfischen Helden löste.

Inhalt

Lessing sitzt im Haus, sieht, was gegeben wird, und fragt, ob es Theater ist. Die Stücke der Entreprise – Übersetzungen, Gottsched-Nachfolge, das bürgerliche Trauerspiel, das er selbst wollte – werden nicht nach dem Beifall gemessen, sondern nach dem, was die Bühne tun kann. Aristoteles wird gegen die französischen Ausleger gerettet: Furcht und Mitleid sind nicht höfische Bewunderung, Katharsis ist nicht die Säuberung der Leidenschaften zugunsten der Sitte. Der Held darf irren, der Bürger darf tragisch sein, das Mitleid gilt dem, der uns ähnlich ist, nicht dem König, dessen Fall uns nichts angeht. Corneille und Voltaire erscheinen als Missverständnisse des Griechen; Shakespeare als der, der die Natur des Dramas getroffen hat, ohne die Regelbücher.

Daraus folgt der Streit um die Einheit, um die Wahrscheinlichkeit, um den Charakter, der nicht Tugendstatue ist. Lessing zerpflückt die regelgerechte Tragödie, die keine Bewegung hat, und die rührende Komödie, die keine Schärfe hat. Das Theater soll prüfen, nicht bestätigen. Die Hamburger Bürger, die das Haus tragen sollten, hören das nicht gern: Sie wollen gesehen werden und gerührt nach Hause gehen. Lessing schreibt gegen beide, gegen die Höflinge der französischen Form und gegen das Publikum, das Belehrung mit Rührung verwechselt. Die Stücke der Dramaturgie sind kurz, täglich, oft giftig. Zusammengenommen sind sie eine Lehre vom Drama, die kein Lehrbuch ist.

Unsicher bleibt der Erfolg. Die Entreprise scheiterte, das Nationaltheater blieb eine Hoffnung, Lessing ging nach Wolfenbüttel. Der Ton ist der eines Dramaturgen, der die Bühne retten will, indem er sie beleidigt. Wer nur den Aristoteliker sucht, findet den Streit gegen Paris. Wer nur den Shakespeare-Apostel sucht, unterschlägt, dass Lessing den Griechen nicht streicht, sondern den Franzosen den Griechen aus der Hand nimmt. Die Laokoon-Grenze kehrt hier als Grenze der Gattung wieder: Das Drama ist Handlung unter Augen, nicht erzählte Tugend und nicht gemalte Dekoration.

Einordnung

Die Hamburgische Dramaturgie hat dem deutschen Theater die Kritik als zweite Schöpfung gegeben und dem bürgerlichen Trauerspiel den Grund, den die Stücke allein nicht trugen. Gottscheds Versuch einer Critischen Dichtkunst steht als der Regelkanon, den Lessing zerschlägt, ohne die Poetik aufzugeben. Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe erben die Bühne, die hier gefordert wird, und machen aus ihr Weimar. Wer nach 1769 über deutsches Drama spricht, spricht in Lessings Stücken – auch dort, wo er Shakespeare anders meint und Aristoteles anders liest.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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