Versuch einer Critischen Dichtkunst

Johann Christoph Gottsched · 1730 · Sachbuch, Literaturwissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Versuch einer Critischen Dichtkunst
Autor(en): Johann Christoph Gottsched


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1730
Schlagwörter: Regel, Wahrscheinlichkeit, Theater, Vernunft
Sachgebiete: Sachbuch, Literaturwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag:
Umfang dieser Ausgabe: 800 Seiten
ISBN:
Verweise


Der Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen ist das 1730 in Leipzig erschienene, später erweiterte Hauptwerk von Johann Christoph Gottsched. Französische Regel als deutsche Vernunft: Wahrscheinlichkeit, Einheiten, die Verbannung des Hanswursts – das Buch, gegen das die Hamburgische Dramaturgie anschreibt.

Inhalt

Gottsched will das deutsche Theater aus der Stegreifkomödie und der barocken Unwahrscheinlichkeit in die Schule Boileaus und Corneilles holen. Die Dichtkunst ist Nachahmung der Natur nach vernünftigen Regeln; das Wunderbare muss wahrscheinlich sein; die drei Einheiten halten die Täuschung. Der Hanswurst fällt, weil er die Illusion bricht und das Volk verdummt. Die Kapitel sind ein Lehrbuch: Gattungen, Stilarten, Beispiele, Übersetzungen. Leipzig spricht als Instanz der Aufklärung. Wer die Bühne reformieren will, braucht ein Buch, das man dem Prinzipal in die Hand geben kann. Dieses ist es.

Martin Opitz' Poeterey lieferte die Metrik; Gottsched liefert die Vernunft der Handlung. Horaz wird zum Zeugen der Regel, nicht des Witzes. Lessing wird Aristoteles gegen die französischen Ausleger retten und Shakespeare gegen die Einheiten; er braucht Gottsched als den, der die Poetik öffentlich und angreifbar gemacht hat. Wer nur den Pedanten sucht, den die Literargeschichte verspottet, unterschlägt die Reinigung, ohne die das bürgerliche Trauerspiel keine Bühne gefunden hätte. Wer nur den Überwundenen meint, unterschlägt 1730: Die deutsche Dichtung wollte vernünftig sein, bevor sie genial sein durfte.

Unsicher bleibt, was Wahrscheinlichkeit der Natur schuldet und was der Konvention. Gottsched hält beides für dasselbe, solange die Vernunft urteilt. Die Natur, die später der Sturm und Drang meint, ist nicht diese. Der Ton ist lehrhaft, umständlich, polemisch gegen Schwulst und Stegreif. Luise Adelgunde, die Mitarbeiterin, bleibt im Schatten des Titels. Das Buch ist dick und hat eine Generation gebunden; die nächste hat es zerschlagen und das Theater behalten, das es ernst nahm.

Einordnung

Die Critische Dichtkunst hat der deutschen Aufklärung das Regelbuch gegeben, ohne das Lessings Dramaturgie keine Gegnerin hätte. Opitz steht davor, die Hamburgische Dramaturgie danach. Wer nach Gottsched von deutscher Schaubühne und Vernunft spricht, spricht in diesem Versuch – auch dort, wo er den Hanswurst wieder hereingelassen hat.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.