Essay:Die ikonische Wende in acht Büchern


Um 2010 war die ikonische Wende in den deutschen Seminaren keine Kunstgeschichte mehr im engen Sinn. Sie war die Behauptung, dass das 20. Jahrhundert in Bildern denkt und in Texten so tut, als wären Bilder unschuldig. Boehm hatte den Namen gesetzt, Belting die Anthropologie, Mitchell die amerikanische Formel der bildlichen Wende. Seminare der Kunstgeschichte, der Medienwissenschaft und der Germanistik lasen dieselben Bände, oft ohne die Register zu tauschen. Dieser Essay nennt acht Bücher. Es ist keine Rangliste. Ein Verfasser steht nur mit einem Buch.

Die Nachbarschaft ist der Essay zur Gutenberg-Galaxis, der denselben Apparat als Geschichte des Drucks führt, und der Überblick von 2026, in dem das Bild hinter Fernem Lesen und Autorschaft zurücktritt. 2010 war das Bild selbst der Gegenstand.

Belting hat 2001 das Bild zwischen Körper und Medium gesetzt: Es vertritt den Abwesenden, zuletzt den Toten. Maske, Spiegel, Bildschirm gehören in dieselbe Lage, ohne stilgeschichtlich eins zu werden. Um 2010 war das Buch die anthropologische Adresse der Wende, Pflicht in Karlsruhe, Basel, Berlin. Die Kunstgeschichte, die nur Werke kennt, und die Medientheorie, die nur Apparate kennt, haben hier die Mitte verloren, die das Seminar suchte.

Mitchell hat 1994 auf Englisch gefragt, was Bilder wollen und was Texte tun, wenn sie Bilder sind. Deutsche Seminare um 2010 lasen den Band neben Belting, oft in Auszügen, weil die Anglistik und die Kunstgeschichte denselben Gegenstand teilten, ohne dieselbe Sprache zu haben. Der pictorial turn, die bildliche Wende, trägt seinen Namen. Metapikturen, politische Ikonologie: Werkzeuge, nicht eine Schule.

Boehm hat 2007 gesammelt, was ein Bild tut, wenn es nicht Illustration eines Satzes ist. Ikonische Differenz: das, was das Bild vom Ding und vom Wort trennt. Um 2010 war das die philosophische Adresse der deutschsprachigen Debatte, neben dem älteren Sammelband Was ist ein Bild?. Seminare der Kunstgeschichte hielten Boehm für den Begriff, Belting für den Körper, Mitchell für den Streit mit dem Text. Die drei zusammen waren die Wende.

Barthes hat 1980 die Photographie als Stich und Studium gelesen: das, was einen trifft, gegen das, was man kulturwissenschaftlich abliest. Seminare um 2010 holten den schmalen Band in die ikonische Wende, weil er das Bild leiblich lässt, ohne Anthropologie zu sein. Gegen Beltings Totenkult setzt er die private Wunde. Die Semiologie der Mythen des Alltags bleibt Nachbar in der Postmoderne; hier zählt die Kammer.

Benjamin hat 1936 die Aura als das beschrieben, was die Reproduktion zerstört, und den Film als Umstellung der Kunst, nicht als ihren Verfall. Um 2010 war der Aufsatz in jedem medienwissenschaftlichen Apparat und in der ikonischen Wende die Herkunft: das Bild, das politisch wird, sobald es sich vervielfacht. Der Essay zur Gutenberg-Galaxis nimmt denselben Text als Schwelle des Mediums. Hier zählt er als Theorie des Bildes vor der Kunst.

Kittler hat 1985 Schrift, Grammophon, Film als Aufschreibesysteme gelesen, die das, was sich sagen lässt, erst ermöglichen. Um 2010 war das Buch in medienwissenschaftlichen Seminaren noch der Kern, den die ikonische Wende nicht ablöste, sondern schnitt: Belting bindet das Bild an den Menschen, Kittler an den Apparat. Die Spannung war das Seminar. Wer nur Aura sagt, hat den Datenträger übersprungen.

Panofsky hat 1939 das Bild als lesbare Schichtung beschrieben: vorikonographisch, ikonographisch, ikonologisch. Seminare um 2010 hielten den Band als die ältere Methode, gegen die die Wende sich erfand und ohne die sie nicht wäre. Boehms Differenz und Mitchells Begehren setzen voraus, dass man Bilder zuerst als Sinngefüge nehmen konnte. Die Ikonologie bleibt das Handwerk; die Wende ist der Streit um seine Grenzen.

Foucault hat 1966 Epistemen beschrieben, in denen das Wissen jeweils anders geordnet ist – und das Sehen mit. Um 2010 lag das Buch in der Postmoderne und in der Bildwissenschaft: Velázquez, die Repräsentation, der Mensch, der erscheint und verschwinden kann. Die ikonische Wende hat daraus die Erlaubnis genommen, das Bild als Ordnung des Wissens zu lesen, nicht nur als Kunst. Der postmoderne Pfad nimmt denselben Band als Bruch. Hier zählt der Blick.

Was diese acht zusammenhalten

Körper, Begehren, Differenz, Stich, Aura, Apparat, Schichtung, Episteme: um 2010 war die ikonische Wende die stillschweigende Bibliothek der Institute, die nicht mehr nur Texte wollten und noch nicht nur Daten zählten. Der Überblick von 2026 hat das Bild hinter Fernem Lesen und künstlicher Autorschaft zurückgestellt. 2010 stand es vorn, mit Belting, Boehm und Mitchell als Dreieck und Benjamin als Herkunft.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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