Miß Sara Sampson

Gotthold Ephraim Lessing · 1755 · Drama


Das Werk
Deutscher Titel: Miß Sara Sampson
Autor(en): Gotthold Ephraim Lessing


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1755
Schlagwörter: Empfindsamkeit, Verführung, Rache, Bürgertum
Sachgebiete: Drama
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 88 Seiten
ISBN: 9783150000168
Verweise


Miß Sara Sampson ist das bürgerliche Trauerspiel von Gotthold Ephraim Lessing, 1755 in Frankfurt an der Oder uraufgeführt und im selben Jahr gedruckt. Es gilt als das erste Stück dieser Gattung in deutscher Sprache: keine Fürsten, keine alexandrinischen Helden, sondern Vater, Tochter und Verführer in einem Wirtshaus, in Prosa, auf Tränen berechnet. Ohne diese Empfindsamkeit wären weder Minna von Barnhelm noch Emilia Galotti zu denken.

Inhalt

In einem englischen Gasthof hat Miß Sara Sampson mit Mellefont dem Haus des Vaters den Rücken gekehrt. Sie drängt auf die Ehe; er zögert, beruft sich auf ein Erbe, auf Umstände, auf eine Unruhe, die er Liebe nennt und die doch auch Furcht vor der Bindung ist. Sir William Sampson reist mit dem Diener Waitwell nach, nicht um zu strafen, sondern um zu vergeben: er will die Tochter zurück, und er will im Alter nicht allein bleiben. Sara liest den väterlichen Brief erst nach langem Sträuben, antwortet mit Reue und Hoffnung – und könnte, so scheint es, in eine rührende Versöhnung münden, wäre nicht die andere Frau schon im Haus.

Marwood, Mellefonts frühere Geliebte und Mutter der gemeinsamen Tochter Arabella, will ihn zurück, nicht aus Zärtlichkeit, sondern weil die verletzte Ehre keinen Verlust duldet. Sie zeigt ihm das Kind, droht mit dem Dolch, spielt die Reue und erschleicht die Erlaubnis, Sara unter dem Namen Lady Solmes gegenüberzutreten. Als Verwandte aus Mellefonts Familie warnt sie die Braut vor dem Mann, den sie selbst nicht lassen kann. Sara bleibt bei ihm, auch als die Maske fällt und Marwood sich zu erkennen gibt; sie bietet sogar an, Arabella als eigenes Kind zu nehmen. Mellefont, zwischen Flucht und Ehe, zwischen alter und neuer Bindung, bleibt der Schwankende, den das Stück nicht zum Bösewicht macht und nicht zum Retter.

Marwood mischt Gift, bevor sie flieht. Saras Schwäche wird zuerst der Ohnmacht zugeschrieben, dann der Wahrheit. Am Sterbebett versammelt Lessing die Empfindsamkeit wie zu einem Gottesdienst: Sara vergibt dem Vater, dem Geliebten, der Mörderin; Sir William erkennt in Mellefonts Verzweiflung die Liebe und nimmt das Kind an sich. Mellefont, unfähig, die Vergebung zu ertragen, ersticht sich. Der Vater bleibt mit Arabella zurück. Das Trauerspiel endet nicht mit der Strafe der Intrigantin, sondern mit einem Haus, das die Toten segnet und das lebende Kind behält – milder als die spätere Emilia Galotti, und gerade darum rührender, als Lessing selbst es später wahrhaben wollte.

Einordnung

Mit der Sara hat Lessing die Ständeklausel auf der deutschen Bühne gebrochen: das Unglück der Bürgerin gilt als tragisch, die Prosa trägt Tränen, das Mitleid wird zum Maß der Wirkung, das er in der Hamburgischen Dramaturgie gegen die französische Regeltheorie wenden wird. Das Vorbild liegt bei Diderot und bei der englischen Empfindsamkeit; der Ort ist England, damit die deutsche Kleinstaaterei noch nicht den Namen tragen muss. Die Uraufführung der Ackermannschen Gesellschaft wurde zum Ereignis, die Nachahmungen wurden zur Mode. Neben Shakespeares Hamlet steht das Stück nicht als Hoftragödie, sondern als Gegenprobe: hier richtet nicht der Geist des Vaters, hier weint der Vater selbst. Die spätere Kritik hat die Rührung als weich getadelt; Lessing hat in der Emilia nachgeschärft. Ohne die Sara gäbe es das bürgerliche Trauerspiel auf Deutsch nicht, und ohne dieses Trauerspiel hätte die Aufklärung keine Bühne für das Haus gehabt, in dem sie wohnen wollte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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