Zen in der Kunst des Bogenschießens

Eugen Herrigel · 1948 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Zen in der Kunst des Bogenschießens
Autor(en): Eugen Herrigel


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1948
Schlagwörter: Zen, Bogenschießen, Ichlosigkeit, Übung
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Otto Wilhelm Barth


Umfang dieser Ausgabe: 96 Seiten
ISBN: 9783426291214
Verweise


Zen in der Kunst des Bogenschießens ist das 1948 im Verlag Curt Weller erschienene schmale Buch des Philosophen Eugen Herrigel; die zweite Auflage kam 1951 bei Otto Wilhelm Barth heraus. Herrigel lehrte von 1924 bis 1929 Philosophie an der Kaiserlichen Universität Tōhoku in Sendai und nahm ab 1926 Unterricht im Bogenschießen bei Awa Kenzo, der eine stark vergeistigte Spielart des Kyūdō, des japanischen Bogenschießens, pflegte, abweichend von der damals üblichen Praxis. Einen Vorläufer hatte der Text 1936 als Aufsatz Die ritterliche Kunst des Bogenschießens. Das Büchlein von knapp hundert Seiten hat die westliche Vorstellung von Zen geprägt wie kaum ein zweites und ist in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. Es erzählt eine Lehrzeit, keine Dogmatik.

Inhalt

Herrigel schreibt gegen die sportliche Auffassung, Bogenschießen sei ein körperliches Können, dessen Maß der Treffer in der Scheibe sei. Für den japanischen Lehrer, den er schildert, ist die Kunst ein geistiger Vorgang: Der Schütze zielt auf sich selbst und trifft, im günstigen Fall, sich. Jahre des verfehlten, verkrampften, ehrgeizigen Schießens dienen dazu, die Absicht abzustreifen. Nicht der Schütze schießt, sondern Es schießt – Herrigels Formel für eine Ichlosigkeit, die nur in der Übung erfahren werde. Die europäische, am Willen hängende Person soll sich in ein Geschehen verwandeln, das die Meditation kennt, der Wille aber verhindert. Der Bogen ist Werkzeug dieser Umwandlung, nicht Waffe und nicht Wettkampfgerät.

Der Bericht folgt den Demütigungen des Schülers: der Meister schweigt, tadelt das Wollen, lässt den Treffer gleichgültig. Atmung, Stand, das Loslassen der Sehne werden zu sittlichen Proben. Herrigel, der kein Japanisch sprach, versteht über den Dolmetscher und über den Körper. Was er „Zen“ nennt, ist die seelische Wirkung dieser Schule, nicht die Klosterordnung des Buddhismus. Stillwerden, Konzentration, das Absterben der Absicht: Darin berührt sich der Weg mit der Sitzmeditation, ohne dass Herrigel Zazen als Lehrfach ausbreitet. Der Idealzustand ist der Schuss, der geschieht, wie die Frucht fällt. Geistiges Treffen rangiert vor dem Loch in der Pappe.

Unsicher wird das Buch, wo die eigene Lehrzeit zur Wesenaussage über Japan und Zen gerät. Kritiker haben eingewandt, Herrigel habe den Kern nicht durchdrungen: Kyūdō ziele auf lebenslange Reifung und auf den vollkommenen Schuss, der das Ziel trifft; bei Herrigel werde das Treffen belanglos und der Weg zur spirituellen Sonderübung. Ursula Lytton hat die westliche Übernahme dieser Mystik getadelt. Awas Schule war schon in Japan umstritten. Hinzu kommt Herrigels Nähe zur nationalsozialistischen Religionsdeutung nach der Rückkehr; die Nachgiebigkeit, die das Wasser dem Zen-Meister zum Leitbild macht, hat man als politische Nachgiebigkeit gelesen. Der Ton ist andächtig, knapp, ohne Quellenapparat. Die Gegenposition, Übung ohne Lehre sei Missverständnis, steht zwischen den Zeilen der späteren Japanologie.

Einordnung

Kaum ein westliches Zen-Buch hat Künstler, Musiker und Literaten so unmittelbar angeregt. Michael Ende, Günther Uecker und Peter Feuchtwanger haben sich darauf berufen; Robert M. Pirsigs Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten und Ray Bradburys Schreibbuch spielen im Titel darauf an. Nachbarschaft hat es zu Alan WattsThe Way of Zen, das Geschichte liefert, wo Herrigel nur die eine Übung kennt. Das Missverständnis der Leser war, nach hundert Seiten „Es“ schießen zu können oder Japan verstanden zu haben.

Geblieben ist die Formel, dass nicht ich treffe, sondern getroffen wird. Sie hat eine ganze Gattung von „Zen in der Kunst des …“-Titeln erzeugt und eine exotische Welt eröffnet, die, so die Fachkritik, nicht Japan heißt und vielleicht nicht einmal Zen. Wer das Büchlein liest, liest ein deutsches Bekehrungsbuch der Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit, wirksam und schief. Die Barth-Ausgabe hält den andächtigen Ton fest; er erklärt den Welterfolg und die Einwände in einem.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

Philosophie entdecken